Der Blog der Akademie für Familiencoaching

Lesedauer: 9 Minuten

Frustrationstoleranz stärken – der richtige Umgang mit Fehlern

Der Aufbau einer starken Frustrationstoleranz ist ein sehr wichtiger Entwicklungsbaustein im Leben von Kindern. Gemeint ist damit die Fähigkeit, Rückschläge zu erleben – und diese auch zu ertragen. Mütter und Väter möchten ihr Kind so gut es nur geht vor schmerzhaften Lebenserfahrungen beschützen. Sie versuchen häufig jeden Fehler kleinzureden, nehmen die Konfliktbewältigung ihres Kindes selbst in die Hand oder greifen ein, noch bevor das Kind wirklich etwas ausprobieren und überhaupt einen Fehler machen konnte. Für das Kind selbst kann eine solche Überbehütung langfristig aber sehr negative Konsequenzen haben.

Kinder dürfen, ja sie müssen sogar Fehler machen, um sich gesund entwickeln und eine starke Resilienz für ihr späteres Leben ausbilden zu können. Erfahre hier mehr über den Aufbau einer starken Frustrationstoleranz und die ausgewogene Balance zwischen Behüten und Loslassen.

Fehler machen, Rückschläge aushalten – ein zentrales Thema im Coaching

Viele Eltern im Coaching haben immer wieder Schwierigkeiten, auszuhalten, dass die eigenen Kinder Fehler machen oder auch etwas nicht können.

In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder Bezeichnungen für Eltern etabliert, die sich sehr stark in das Leben der Kinder einmischen, so beispielsweise „Rasenmäher-Eltern“. Dieser Begriff möchte versinnbildlichen, dass viele Eltern mit aller Kraft versuchen, ihrem Nachwuchs jegliche Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, zu „mähen“, nur um dem Kind frustrierende Erfahrungen zu ersparen. Vor allem Mütter gehen oft sehr streng mit sich selbst ins Gericht und verurteilen sich selbst dafür, wenn das eigene Kind einen Fehler macht.

Fehler sind Learnings!

Dabei ist es ungemein wichtig, Kinder ihre eigenen Fehler machen zu lassen, denn Fehler sind Learnings!
Wesentlich wichtiger ist unsere Einstellung Fehlern gegenüber und genau aus diesem Grund möchten wir in diesem Beitrag genauer hinschauen: Woher kommen eigentlich unsere eigenen Ängste vor dem Scheitern und was können Eltern und Coaches konkret tun, um Kinder bestmöglich im Alltag zu unterstützen?

Fehler sind sehr wichtige Lernwerkzeuge für das weitere Leben

 

Warum haben wir oft so große Angst, Fehler zuzulassen?

Ein Ort, an dem ich mir persönlich wesentlich mehr Fehlerfreundlichkeit wünsche, ist die Schule, denn wir sind selbst sehr stark von unserer eigenen Schulzeit geprägt. Eine Zeit, in der nämlich nicht das von uns bewertet wurde, was wir gut und richtig gemacht haben, sondern das, was nicht richtig war. Rot wurde das angestrichen, was wir falsch gemacht haben – unsere Fehler! Und so wurden wir über acht, zehn oder zwölf Jahre geprägt, uns auf das zu fokussieren, was nicht gut läuft, das im Blick zu haben, was falsch ist.

Und je mehr Fehler uns passieren, desto „falscher“ und fehlerhafter sind wir.
Wir haben uns in der Schule mit unseren Noten identifiziert, denn Noten sind ja im Grunde nichts anderes als der Spiegel unserer Fehler. Somit ist dieses Thema für sehr viele Menschen äußerst negativ behaftet, denn wir sind im Grunde zu „Fehlersuchmaschinen“ erzogen worden: In unserem Leben hat es sich viele Jahre nur darum gedreht, nichts falsch zu machen.

Wir müssen aufhören, „Fehlersuchmaschinen“ zu sein!

Auf der einen Seite ging es darum, keine Fehler in der Schule zu machen und auf der anderen Seite hatten viele von uns Eltern, die nicht besonders fehlerfreundlich waren. Das bedeutet, dass auch im familiären Umfeld Fehler direkt sanktioniert wurde, während gutes Verhalten (meistens) gar nicht wirklich gesehen wurde. Wenn Du zu Hause Fehler gemacht hast, dann wurdest Du womöglich getadelt, ignoriert oder sogar aus der Familiengemeinschaft ausgeschlossen! Das berührt bei einem jungen Menschen natürlich ganz massiv den Wunsch nach Bindung und sorgt in einem gewissen Maß auch für Verängstigung.

Wir haben Angst, Fehler zu machen und dadurch einen Bindungsabbruch zu erleiden!

Jeder Mensch hat von Natur aus ein tiefes Bindungsbedürfnis. In dem Augenblick, in dem Dich die eigenen Eltern aber aufgrund eines Fehlers – bildlich gesprochen – aus der Gruppe der Familie ausschließen, macht sich in uns eine wahnsinnig große Angst breit. Wir versuchen daraufhin jeden noch so kleinen Fehler zu vermeiden, nur um keinen Bindungsabbruch zu erleiden.

Aus diesem Grund haben sehr viele Menschen Angst, Fehler zuzulassen, denn sie haben keinen adäquaten Umgang mit Fehlern erlernt.
Auch perfektionistische Menschen haben im Übrigen eine übertriebene Angst, Fehler zu machen.

Der richtige Umgang mit Fehlern – die Perspektive wechseln

Doch der richtige Umgang mit Fehlern kann gelingen, vor allem dann, wenn wir unsere Perspektive wechseln.
In der Regel wollen Eltern nur das Beste für ihr Kind und aus diesem Grund nehmen sehr viele Mütter und Väter eine sehr beschützende Haltung ein. Für das Kind ist das aber alles andere als positiv, denn wer nie auf Schwierigkeiten stößt, der kann sich auch keine problemlösenden Strategien aneignen und lernen, Frust auch mal auszuhalten. All das sind aber Dinge, die zu einer gesunden Entwicklung untrennbar mit dazu gehören.

Daher ist es wichtig, den Blickwinkel auf Fehler zu verändern: Fehler sind etwas, woraus wir für unser weiteres Leben lernen können.

Wir Menschen können nicht aus der Theorie für unser weiteres Leben lernen. Moralpredigten von lebenserfahrenen Erwachsenen helfen unseren Kindern nicht weiter, denn Erfahrungen werden nicht über den Verstand, sondern vielmehr über das eigene Erleben abgespeichert. Wir können nicht alle Fehler erlernen und sie dann mitsamt all ihrer Konsequenzen kennen, wenn wir sie nicht selbst machen.

Fehler müssen passieren, um resilient zu werden

Wir lernen nicht nur aus Fehlern, sondern Fehler schärfen und stärken auch unsere Resilienz. Das ist die Fähigkeit, Niederlagen, Rückschläge, persönliche Krisen oder belastende Ereignisse flexibel zu meistern, um sie schließlich sogar zum eigenen Vorteil zu nutzen und gestärkter aus ihnen hervorzugehen. Also quasi: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weiter gehen.“

Je mehr wir Eltern jedoch die Kinder vor Fehlern beschützen, desto mehr berauben wir sie der Möglichkeit, diese Fähigkeit der Resilienz auszubilden.

Was in der Kindheit noch nicht allzu dramatisch ist, kann spätestens dann, wenn die Kinder groß sind und von zu Hause ausziehen, zu einem echten Problem werden.

Dann ist Resilienz nämlich äußerst wichtig, denn das Leben außerhalb der Familie ist mit Rückschlägen verbunden! Ein Leben ohne Scheitern und ohne Niederlagen gibt es nicht! Überall wo Sonne ist, ist auch Schatten – das gehört untrennbar zum Menschsein mit dazu.

Lehre Dein Kind mit Fehlern umzugehen

Anstatt das Kind ständig davor zu bewahren, Fehler zu machen, ist es viel wichtiger, Kindern einen richtigen Umgang mit den Fehlern aufzuzeigen, denn Fehler sind ein sehr wichtiges Lernwerkzeug.

Hilf mir, es selbst zu machen.
(Maria Montessori)

Wenn wir dem Nachwuchs nämlich immer alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen, wachsen die Kinder zu verweichlichten und unselbstständigen Persönlichkeiten heran, die überhaupt nicht auf das Leben vorbereitet sind. Kindern, die sich an die permanente Unterstützung von Mama und Papa gewöhnen, kann es später sehr schwerfallen, ein eigenständiges Leben mit Haushalt, Beruf und eigener Familie aufzubauen. Zudem haben sie eine geringe Frustrationstoleranz und können nur schwer ihre Emotionen kontrollieren.
Hingegen entstehen starke Persönlichkeiten, wenn Kinder Ziele aus ihrer eigenen Kraft erreichen können und dürfen, auch wenn das mal mit Scheitern verbunden ist.
Fehler machen ist ok

Gehe wohlwollend mit Fehlern um

Mein Tipp an Dich ist, Deinem Sohn oder Deiner Tochter kindgerecht, das bedeutet altersgerecht und entwicklungsgerecht nicht alles abzunehmen, sondern vielmehr dem Kind zu helfen, es selbst zu tun.

    • Kauf zum Beispiel nicht bis zur sechsten Klasse Schuhe mit Klettverschluss, nur weil Dein Kind keine Schleife binden kann. Fang lieber ab einem gewissen Alter damit an, das Schleife binden zu üben.
    • Übergib älteren Kindern persönliche Verantwortung, indem Du ihnen beispielsweise aufzeigst, dass die Schule ihr eigener Zuständigkeitsbereich ist. Da setzt Du Dich nicht mehr täglich dazu und passt auf, denn das kannst Du in der Schule schließlich auch nicht für Dein Kind tun. Vermittele vielmehr klare Lernstrategien und zeige dem Kind verschiedene Lerntechniken auf.
    • Ganz wichtig ist zudem, wohlwollend mit den Fehlern des Kindes umzugehen. Bringt das Kind zum Beispiel eine schlechte Schulnote mit nach Hause, so ist das nicht Dein persönlicher Misserfolg. Ebenso ist eine gute Note nicht Dein persönlicher Erfolg.
      Begleite das Kind und stärke es für das nächste Mal: Was kann man besser machen? Kann vielleicht früher mit dem Lernen begonnen werden? Unter Umständen kann auch ein Lernplan sinnvoll sein.
    • Besprecht nach einem Fehler oder einer Situation des Scheiterns gemeinsam, was konkret getan werden muss, damit sich diese Situation kein zweites Mal wiederholt. Gib Deinem Kind aber auch unbedingt die Möglichkeit, dieses Frustgefühl auch auszuhalten. Nur so kann es eine starke Frustrationstoleranz aufbauen.
    • Vertrau Deinem Kind und gib ihm ausreichend Raum zur freien Persönlichkeitsentfaltung. Kinder brauchen das Gefühl, dass ihre Eltern immer hintern ihnen stehen, sie aber nicht festhalten.

Lass Dein Kind aus Fehlern lernen, um die Frustrationstoleranz zu stärken

Fehler machen, bringt bei Kindern sehr wichtige Prozesse in Gang: So muss es sich zum einen für das nächste Mal eine andere Strategie zurechtlegen und zum anderen lernt es, mit Frust umzugehen. Kinder, die diese Erfahrung nie machen, lernen auch nicht, dass ein Scheitern nicht automatisch ein komplettes Versagen bedeutet.

In meiner täglichen Arbeit erlebe ich selbst immer wieder, dass viele Kinder den Unterschied zwischen Wut, Frust, Aggression und Trauer überhaupt nicht kennen, weil sie diese Emotionen kaum spüren müssen. Dabei ist gerade das so wichtig! Diese Gefühle gehören zu uns, denn wir können nicht immer nur lachen, sondern müssen auch die andere Seite kennenlernen. Das macht uns menschlich und authentisch!

Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, wollen wir unsere Kinder ganz häufig vor Fehlern beschützen, weil es für uns Eltern kaum auszuhalten ist, das eigene Kind frustriert zu erleben. Doch wir müssen lernen, den Frust des Kindes selbst auszuhalten!

Es ist wichtig, auszuhalten, dass Dein Kind etwas nicht kann oder nicht schafft. Begleite es liebevoll weiter, damit es einmal gemachte Fehler in Zukunft vermeiden kann.

Dann wird Dein Kind lernen:

    • sich von Rückschlägen zu erholen.
    • dass es Fehler machen darf.
    • dass niemand perfekt sein muss.
    • dass es bedingungslos geliebt wird, auch wenn es nicht alles kann oder mal Fehler macht.

    Daher empfehle ich Dir dringend: Lass Dein Kind Fehler machen! Begleite es durch Niederlagen hindurch und tröste auch nicht sofort jeden Schmerz weg. Auch wenn das vielleicht hart klingen mag, doch es ist wichtig, dass Kinder auch mal Frust spüren dürfen. Versuche, das auszuhalten und nur dann einzugreifen, wenn Du wirklich das Gefühl hast, dass es gar nicht mehr geht.

    Bevor Du jedoch eingreifst, überlege Dir bitte, ob Du gerade das Problem hast oder Dein Kind. Möchtest Du gerade eingreifen, weil Du es kaum aushalten kannst oder weil Dein Kind den Frust nicht aushält?

    Hol Dir Unterstützung vom Familienprofi

    Du bist nicht allein mit dieser Herausforderung, doch wenn Du es allein nicht schaffst und das Gefühl hast, einfach nicht mit dem Loslassen zurechtzukommen, dann schick mir gerne eine E-Mail an familie@akdamie-fuer-familiencoaching.de.

Bei der Akademie für Familiencoaching bekommst Du tatkräftige Unterstützung und ein kostenloses Erstgespräch mit einem professionellen Familiencoach. Wir helfen Dir mit Deiner Familie und sorgen gemeinsam dafür, dass Fehler für euch zu ganz großen Chancen werden, denn Fehler sind der Grundfaktor des Wachsens!

Hab keine Angst, Fehler zu machen.

Fehler sind ungemein wichtig, denn sie sind ein Lernwerkzeug.

Nur wer selbst Fehler machen darf, wer auch mal frustriert ein darf, der kann auch resilient werden. Ich kann keine Resilienz lernen, wenn es nie einen Grund gibt, um resilient zu sein. Diese Fähigkeit, mit Niederlagen und Rückschlägen umgehen und sich davon erholen zu können, ist vor allem im späteren Leben der Kinder unverzichtbar wichtig!

Wenn ich mich niemals in einer Situation befinde, in der ich Fehler mache und in der ich Frust aushalten muss, dann kann ich auch meine Resilienz nicht trainieren.

Als Familienexperte und Coach erklärst Du Müttern und Vätern:

  • Warum ist es so wichtig, Kinder Fehler machen zu lassen?
  • Warum ist es wichtig, Kinder auf diese Fehler hinzuweisen?
    Es ist absolut nicht förderlich, wenn Kinder Fehler machen, das gesamte Umfeld jedoch zurückhaltend reagiert und nichts dazu sagt. Damit tut man dem Kind definitiv nichts Gutes.
  • Warum ist es wichtig, dass Fehler eine Konsequenz haben?

Vergiss bitte nicht, dass Eltern das Wissen, das Du in Deinen Aus- und Weiterbildungen erworben hast, nicht haben.
Eltern haben ihre eigenen Trigger, wenn es um Fehler geht. Sie haben ihren eigenen Schmerz aus ihrer eigenen Kindheit, weil sie vielleicht selbst nie Fehler machen durften.

Eltern können vielleicht nicht damit umgehen oder es gar nicht aushalten, wenn das eigene Kind frustriert ist. Viele Eltern wollen sich also auch selbst schützen, vor dem Gefühl der totalen Hilflosigkeit, wenn das eigene Kind Frust aushalten muss. Sie wollen eingreifen, um dieser Ohnmacht nicht vollkommen ausgeliefert zu sein.
Das ist ein Teufelskreis, den leider auch das pädagogische Personal – auch Coaches – immer wieder abbekommt.

Coaching-Tipp – Hole die Eltern mit ins Boot

Bringe Eltern bei, wie Fehler richtig kommuniziert werden. Beachte dabei auch die Kommunikationsregeln und die Feedback-Regeln.
Sehr gut geeignet ist auch die Sandwich-Technik: Hier wird zunächst etwas Positives gesagt, dann der Veränderungswunsch preisgegeben und schließlich zum Abschluss noch etwas Motivierendes gesagt.

Auch Lehrerinnen und Lehrer müssen Fehler richtig kommunizieren. Werden die Eltern bei einem Fehlverhalten des Kindes angerufen und das Kind an den Pranger gestellt? Dann ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Eltern entsprechend reagieren.

Von grundlegender Wichtigkeit ist eine Kommunikation auf Augenhöhe!

Hole die Eltern mit ins Boot und erkläre ihnen Deinen Standpunkt! Erkläre den Eltern, wie wichtig Frust für Kinderseelen ist und dass sie diesen auch mal aushalten dürfen.

Arbeitet mit den Eltern zusammen und zieht am selben Strang, denn schließlich haben alle dasselbe Ziel: Nämlich, dass aus den Kindern reife und starke Persönlichkeiten werden. Und hierfür bedarf es von beiden Seiten eines gewissen Entgegenkommens.

Es gibt viele Eltern, bei denen das vermutlich nicht funktionieren wird und sie werden Dich weiterhin als „Prellbock“ für ihre eigenen Ängste und ihre Hilflosigkeit nehmen. Vielleicht gibt es aber doch den ein oder anderen Elternteil, der das entsprechend annehmen kann.

Mehr Informationen findest Du auf meiner Fanpage Kira Liebmann. Bei Fragen schicke gerne eine E-Mail an familien@akademie-fuer-familiencoaching.de.

Kostenfreies Familiencoaching-Bootcamp: 11.-13.06. – live & online und randvoll mit Familienwissen.
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